Nähe. Distanz. Berührung.

 Wenn wir mit offenem Herzen einem Menschen begegnen, dann können unsere Energien ungehindert fließen. Wir spüren es. Ganz tief. Unser Energien können nicht nur fließen, sondern sich austauschen. Sich gegenseitig nähren. Sie können miteinander kommunizieren. Sich treiben lassen. Dann entsteht Großartiges. Für beide. Es ist für uns eine Bereicherung. Von Herz zu Herz. Das sind die Begegnungen, die unser Leben besonders machen. Uns bereichern. Uns gegenseitig nähren. Uns gemeinsam wachsen lassen. Die Sehnsucht in uns stillen. Wirklich und ausnahmslos so gesehen, akzeptiert und angenommen zu werden, wie wir wirklich sind. Uns auf Seelenebene gegenseitig berühren. Zugehörigkeit zu spüren.

 

Mit offenem Herzen können wir einen Menschen so sehen, wie er wirklich ist. Was in ihm steckt. Wir können seine Seele sehen. Ihm auf Augenhöhe begegnen. Neugierig. Offen. Liebevoll. Ihn so akzeptieren und lassen wie er ist. Weil er genau so gut ist, wie er ist.

Ist unser Herz allerdings verschlossen, erleben wir die Begegnung mit genau dem selben Menschen anders. Wir sehen in ihm lediglich all unsere eigenen Projektionen.  Jeden Mangel. Alles noch Ungeliebte. Jeden Schmerz. Jede eigene Ablehnung. Bewusst oder auch Unterbewusst. Alles Erfahrene. Wir selbst lassen keinen offenen Austausch zu. Keine nähere Beschäftigung. Kein weiteres wirklich tiefes Interesse. Keinen Energieaustausch. Keine tiefere Verbindung für uns zu. Wir verhalten uns so, weil unser eigenes Herz verschlossen ist. Wir weder geben können. Noch wirklich fähig sind anzunehmen.

 

Dabei machen diese tiefen Verbindungen von Herz zu Herz erst den entscheidenden und wahren Unterschied in unserem Leben. Sie lassen uns (immer) tief(er) fühlen und wachsen. Sie lassen uns unsere eigene Energie erhöhen. Unsere Schwingung. Ganz automatisch. Mit jeder weiteren Begegnung.

Durch die Nichtöffnung unseres Herzens verlieren wir alle(s). Auch uns selbst. Warum? Weil sich unser Herz nach genau diesen Begegnungen so unendlich sehnt. Der Tiefe. Der Bewertungslosigkeit. Der Bedingungslosigkeit. All das wünschen wir uns aus tiefstem Herzen. Für uns selbst. Der Schlüssel liegt darin, dass wir das was wir uns wünschen, zuallererst einmal uns selbst und anderen schenken dürfen. Bevor wir es selbst annehmen und empfangen dürfen. Offen. Tief. Bewertungsfrei. Vertrauensvoll. Liebevoll. Bedingungslos. 

 

Damit wir mit unserem Herzen sehen können, darf der Verstand zur Seite weichen. Zurücktreten. Und das reicht in den meisten Fällen gar nicht aus. Muss sogar. Damit wir mit offenem Herzen sehen, fühlen und anderen wirklich begegnen können, dürfen wir ganz aus unserem Verstand austreten. Sonst bleibt alles oberflächlich.

Unser Verstand, oder auch Ego zeigt uns andere immer nur mit unseren eigenen Bewertungen drauf. Der Verstand verurteilt. Sucht Begründungen. Zieht Schlussfolgerungen. Verurteilt. Findet Schuldige. Sucht permanent nach Lösungen. Versucht zu reparieren.  Interpretiert erlebte, vergangene und durchlebte Situationen und Begebenheiten auf den Zustand und den Menschen uns gegenüber  im Hier und Jetzt. Unser Verstand bezieht also immer unsere Konditionieren und Glaubenssätze mit ein. Lässt sie für uns unbemerkt und nicht auseinander zu halten in die Begegnung mit einfließen.

Gelingt es unserem Verstand nicht die Situationen mit dem Menschen zu klären, zu verstehen, zu heilen, zu reparieren. Wird er sich mitsamt seines dazu gehörigen Menschen schnell aus dem Staub machen. Sich umdrehen und gehen. Sich der Situation nicht weiter aussetzen. Den Menschen nicht länger um sich haben wollen. Der Begegnung und Konfrontation weichen. Schnell wieder in seine Komfortzone fliehen. 

 

Warum? Weil der Verstand mit Gefühlen nichts anfangen kann. Weil Gefühle ihn ängstigen und erschrecken. Weil er sie nicht einschätzen und kontrollieren kann. Sie fühlen sich für ihn an wie ein ein weißes Blatt Papier oder ein schwarzes Loch. Ganz wie du magst. Sie sind für ihn zu furchteinflössend und beängstigend, als dass er sie zulassen könnte. Zulassen würde sie wirklich und wahrhaftig zu spüren. Durch sie durch zu gehen. Da erklärt er uns lieber ganz ausführlich und akribisch, warum es doch besser ist diese Verbindung nicht einzugehen. Sie zu verlassen. Sie erst gar nicht in der Tiefe zuzulassen. Entschuldigt. Rechnet auf. Erstellt im Geiste ganze Listen und Exceltabellen "why not". Mit viel Mühe. Nachhaltig. Logisch. Die ganze Zeit. Daher kommt unser Drang auf Abstand. Unser Drang auf Trennung. Unser Drang wegzulaufen. Unser Drang auf Nicht-Sehen. Nicht-Hören. Nicht-Fühlen. Nicht-Riechen. Nicht-Schmecken. Nicht-Spüren. Nicht-einfach-Wissen. Nicht-Öffnen. Nicht-Vertrauen. Nicht-Wahrhabenwollen. Nicht-Zulassen. Nicht-Annehmen. Unser Drang ganz schnell in die andere Richtung zu laufen. Unser Drang uns nicht zu beschäftigen. Unser Drang nach Isolation. Unser Drang nach Verleugnung. Unser Verstand versucht die ganze Zeit unseren Gefühlen zu entfliehen. Unseren tiefen Emotionen nicht zu begegnen.

 

Unser Herz hingegen spiegelt  uns immer nur eine innere Reflexion der Außenwelt. Eine Manifestation im Außen, welche das widerspiegelt, was in uns wirklich los ist. Siehst oder spürst du im anderen einen für dich unüberwindbaren Mangel, spürst du diesen auch immer noch in dir.  Das gleiche gilt für Gefühle, die in dir aufkommen, die du auf dein Gegenüber projizierst.

"Ich kann dich nicht so annehmen und lieben wie du bist mit deinen schiefen Zähnen."

Wirft sofort eine Frage auf. "Wo kannst du dich noch nicht so annehmen wie du bist?" Und das müssen nicht eins zu eins auch deine Zähne sein. Das kann auch alles andere sein was du noch nicht in Liebe an dir annehmen kannst. Unser Herz kann Gefühle zulassen. Sie annehmen. Sie durchleben. Und sie auch weitergeben.

 

Was heisst das nun?

Heisst das nun, dass der Mensch, dem ich da begegne keine schiefen Zähne hätte, wäre mein Herz offen? Oder wäre ich ihm gar nicht erst begegnet, sondern einem mit blitzweißen und akkurat geraden Zähnen?

Nein. Beides nicht. Das heißt erstmal lediglich, dass du, wenn du den eigenen Mangel in dir nicht verspüren würdest. Du ihm nicht nur vor den Kopf gucken könntest, sondern tiefer. Bis ins Herz. Bis in seine Seele. Wenn du über den eigentlichen "Nicht-Mangel" hinweg direkt in sein Herz sehen könntest und auf dieser tieferen Ebene in den Austausch mit ihm gehen könntest. Ihn so sehen könntest wie er wirklich ist.

Würde ich ihn denn dann annehmen und lieben können? Ja. Das könntest du. Du könntest mit ihm auf Herzensebene kommunizieren, dich austauschen und seine reine, schöne und ursprüngliche Seele sehen. Und spüren. Ohne deine eigenen Bewertungen. Und deine eigene gleich mit.

Und gleichzeitig kannst du mit dem Herzen dir deine eigenen Gefühle angucken. Du kannst mit dem Herzen deine Schatten(themen) sehen. Sie fühlen. All das Weisse und auch das Schwarze in dir. Kannst mit dem Herzen alle Schmerzen wahrnehmen und spüren, die mit deinem Thema, deiner Projektion, deinem Erlebten, deiner Bewertung, deinen Glaubenssätzen, deinen Erlebnissen zu tun haben. Und diese spüren, annehmen und wieder für dich in den Fluss bringen. Die Verkapselung lösen. Du kannst heilen.

 

Heisst das auch, dass ich mit diesem Menschen eine Partnerschaftliche Beziehung eingehen wollen würde? Also mit dem mit den schiefen Zähnen? Ja und Nein. Perhaps. Vielleicht. Du könntest auf jeden Fall wirklich mit deinem offenen Herzen hinein spüren und fühlen was da für eine Antwort für dich kommt. Und fühlen was sich für dich richtig anfühlt.

FÜHLEN.FÜHLEN. FÜHLEN.

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0