Nimm dein kleines Kind wieder an die Hand.

 Das drückende, mulmige und fade Gefühl in meinem Bauch war immer noch da. Es hörte einfach nicht auf. Ich konnte tun und lassen was ich wollte. Immer wieder spürte ich es in meinem Oberbauch. Über meinem Bauchnabel. Eine Hand breit drüber. Was war nur los mit mir? Ich hatte mir doch gerade etwas Gutes getan. War spazieren bei herrlichem Sonnenschein. Hatte mir viel Zeit genommen. Kein Hinterhof blieb unentdeckt. Alle Tiere hatte ich auch bemerkt. Viele Vögel, sehr viele Enten, eine braungetigerte Katze. Hunde na klar. Mehrere braune Eichhörnchen liefen mir über den Weg. Ich liebe Eichhörnchen. Ein Fuchs mit dickem bauschigem Schwanz war auch dabei. Wirklich. An der klaren frischen Luft. Zeit für mich.

Klar, ab und an drehten sich meine Gedanken wieder darum, was mein nächster Schritt sein würde. Und ja ich hatte mich mal wieder in meinem Geist mit Dingen beschäftigt, die eher der Kategorie "was ist wenn?" und "was ist wenn nicht?" und "hab ich schon alles dafür?" angehörten. "Wenn ich mich so verhalte, dann", war auch dabei. Ich setzte mich ruhig auf eine der nächsten Bänke, legte meine Hand genau auf den verorteten Punkt des mulmigen Gefühls und hörte in mich hinein. Was ist los? Was willst du mir sagen? Was hab ich übersehen? Die Antworten sprudelten nur so in meinen Kopf. Und zwar nicht aus meinem Kopf. Sondern in ihn. Wut kam in mir auf. Enttäuschung auch. Jetzt war fühlen und annehmen angesagt. 

"Das hatten wir anders abgemacht." "Du hattest doch gesagt, dass wir anfangen. Die Welt verändern. Zu einem besseren Ort machen." Wir wollten uns doch für nichts und niemanden mehr verbiegen. Keine Angst mehr haben. Nur noch Sachen machen, die wirklich wirklich Spaß machen. Alles nur noch so wie wir wirklich wirklich sind. Authentisch. Echt. Ohne Kompromiss. Und. Und. Und.

Wer da sprach? Da sprach mein inneres Kind. Die kleine Steffi in mir. Der ich schon wieder den Rücken gekehrt hatte, ob der Chance jemandem anderen zu gefallen. Wenn auch nur in Gedanken. Energetisch aber ganz genau das Gleiche.

Ich tappte schon wieder in die gleiche Falle. "Wenn ich mich anpasse und funktioniere, dann überlebe ich." "Wenn ich keine Gefühle zeige, dann kann ich auch nicht verletzt werden." "Wenn ich mich nicht zeige und keinen an mich heranlasse, dann kann ich auch nicht enttäuscht werden." Und wieder hatte ich nicht aufgepasst und wollte dieses Gefühl nicht fühlen. Das Gefühl, das in meiner frühesten Kindheit entstanden war. Das Gefühl, welches ich nie wieder fühlen wollte. Nie wieder. Das was von meinem Unterbewusstsein auf jeden Fall umschifft und umgangen wird. Koste es was es wolle. Diese Gefühle und frühkindlichen Traumata nicht mehr zu fühlen. 

 

Dein inneres Kind ruft nach dir. Das kleine Kind in dir. Der kleine Junge. Das kleine Mädchen. In dir. Es macht sich aufmerksam mit Gefühlen im Solarplexus. Wärme. Enge. Wut. Angst. Ohnmacht. Eine Hand breit über deinem Bauchnabel. Dieses Kind ist in jedem von uns. Es ist ein Aspekt von uns. Es wartet darauf von uns Aufmerksamkeit zu bekommen. Es wünscht sich von uns nichts sehnlicher als die Liebe zu bekommen, die es früher nicht bekommen hat. Oder zumindest nicht so, wie es sich das gewünscht hätte. Die Liebe, Aufmerksamkeit und Anerkennung nach der es sich so sehr gesehnt hat.

Es möchte genau so nun heute von uns angenommen werden wie es wirklich ist. Mit all seinen kreativen, schillernden und verrückten Ideen und auch mit all den verrückten Faxen im Kopf. In all seiner Wildheit und Emotionalität und auch mit all seiner Verletzlichkeit.

Wenn dieses Gefühl in dir aufkommt. Wenn du dich traurig fühlst. Wütend bist. Vor Sehnsucht schier zu zerbersten scheinst. Immer dann heißt es nach innen zu gucken. Schließ einfach die Augen. Und hör in dich hinein. Guck was dein inneres Kind in diesem Moment von dir braucht. Von keinem anderen. Von niemandem im Außen. Sondern einzig und alleine von dir. Guck, warum es traurig ist. Ängstlich. Oder wütend. Wofür es sich schämt. Warum es sich bedürftig fühlt. Nimm dieses Gefühl dankbar an. Sag deinem inneren Kind danke dafür, dass es sich gemeldet hat bei dir und guck was es in diesem Moment von dir braucht. Nimm es an deine Hand. Auf den Schoss. In den Arm. Oder was auch immer es sich wünscht und braucht. Beschäftige dich mit ihm. Frag es. Spiel mit ihm. Tanz mit ihm. Tröste es.

Niemand anderes wird ihm geben können wonach es sich sehnt. Außer dir. Diese Gefühle wollen allesamt angenommen werden. Dein inneres Kind will von dir angenommen werden. Und zwar bedingungslos. Genau so wie es ist. Eben weil es so ist, wie es ist. Genau richtig. Öffne dein Herz für dein inneres Kind. Dann wird sich alles ändern. Dann wirst du frei und betrittst eine andere Ebene deines Seins. Sprich täglich mit ihm. Frag es um seine kindliche Sicht und Meinung aus seinen Kinderaugen und Kindergefühlen. Frag es um Rat. 

Dein Leben wird sich ganz anders gestalten mit diesem befreiten und geliebten inneren Kind in dir. Und es wird dir anstatt des grummeligen Gefühls viele seiner kindlich verrückten Impulse und kreativen Ideen schenken. Es wird dir ein riesiger Unterstützer sein beim Entwickeln und Umsetzen deiner Herzenspläne. Denn. Es kann sich als Kind noch alles vorstellen. Geht nicht gibt's nicht. Nimm es auf und schließe es in dein Herz. So wirst und bist du dir selbst treu. Du mit allen deinen Aspekten. In deiner wunderschönen Einzigartigkeit. So kannst du heilen und ganz werden. So kannst du in die wichtigste Beziehung deines Lebens eintreten. In die zu dir selbst und zu deinem inneren Kind. Warum ist das so wichtig? Weil unser inneres Kind einen immensen Einfluss auf unser Emotionales System hat. Und auf die Beziehungen, die wir als Erwachsene eingehen. Oder auch eben nicht. 

 

Erinnere dich. Was war früher am Wichtigsten für dich?

Für mich war am Wichtigsten, dass all die Menschen, die ich liebte und die mir wichtig waren bei mir waren und mir ihre Aufmerksamkeit und Liebe schenkten. Meine Eltern. Oma und Opa. Mama und Papa. Meine Freunde. Allerlei (Kuschel)tiere. Ich wollte mit ihnen spielen und mich ausprobieren. Schöne Momente erleben. Zusammen sein. Egal wo. Verrückte Dinge tun. Mich sicher fühlen. Stark und unendlich geliebt. Im Regen tanzen und in den Matschpfützen springen. Regenwürmer in einem Marmeladeglas sammeln, um sie später wieder frei zu lassen. Im Wald Buden bauen. Mal Prinzessin und auch mal Ronja Räubertochter sein. Miteinander sein. Zusammen sein. Ganz dichte bei. Spielen. Ausprobieren. Weinen. Lachen. Ich wollte wahrgenommen werden und geliebt werden so wie ich bin. Vertrauen. Verlassen können. 

Was war früher am wichtigsten für dich? Wonach sehnt sich dein Herz auch heute noch? Was kannst du dir ab heute selbst geben? Welche Aufmerksamkeit schenkst du ab heute deinem inneren Kind?

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